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Die Zeit von 1590 bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderst

Der Ursprung unserer Familie bis zur Begründung der verschiedenen Linien

Vortrag von Manfred von Kries (Düsseldorf) auf dem Familientag in Celle          am 11. Mai 1974

Der erste nachweisbare Urahn ist der Schieferdecker J o b s t Krieß, der um 1590 mit seinem Bruder aus Heberndorf (damals in Sachsen-Rudolstadt, jetzt in Thüringen gelegen) nach dem nur 5 km entfernten Lehesten, etwa 20 km (Luftlinie) südlich von Saalfeld, übersiedelte.

Wo und wann unser Urahn Jobst geboren worden ist, wissen wir nicht, ebenso wenig, aus welchen Gründen er nach Lehesten gegangen ist. Die alte Familienüberlieferung, religiöse Gründen seien der Anlass gewesen, ist durch die Familienforschung weder bestätigt noch widerlegt worden. Leider waren ältere Kirchenbücher in Heberndorf nicht mehr vorhanden. Die im letzten Krieg aufgetauchte Vermutung, unsere Ahnen hätten als Schieferdecker an den Schlössern in Heidelberg und Würzburg mitgearbeitet, konnte noch nicht nachgeprüft werden. Vielleicht war der Umzug nach Lehesten auch nur wirtschaftlich bedingt, da dort sehr bedeutende Schieferbrüche bestanden und noch heute bestehen, deren Schiefer u.a. bei dem Heidelberger Schloss und der Burg in Wien verwandt wurde. Jedenfalls haben diese Schieferbrüche für 4 Generationen unserer Familie eine bedeutende Rolle gespielt.

Der zweite Sohn des Urahns Jobst, H a n s Krieß, wurde 1595 geboren und war ebenfalls wie sein Vater und sein Bruder Schieferdeckermeister. Auch dessen zweiter Sohn von 7 Kindern, H a n s - G e o r g Krieß, geboren am 7.9.1631 in Lehesten, blieb dem Beruf des Vaters treu. Seinem Sohn J o h a n n - P a u l u s , der als 12. Kind am 18.5.1688 geboren wurde, gelang der Aufstieg vom Handwerksmeister zum „Kapitalisten" als Mitbesitzer eines Schieferbruchs in Lehesten. Außerdem wurde er Ratsherr und fürstlicher Baufaktor in Gotha.

Aus den nüchternen Daten der Familiengeschichte, die uns nichts über die Persönlichkeit und nur wenig über die Lebenswege unserer Urahnen verraten, gewinnt man den Eindruck, als ob der wirtschaftliche Aufstieg und der Umzug aus dem kleinen Lehesten in die Residenzstadt Gotha schlummernde Kräfte geweckt haben; denn schon in der nächsten Generation erfolgte derÜbergang in einen akademischen Beruf.

Der älteste Sohn unseres Ahns Johann-Paulus, J o h a n n - A l b i n u s Krieß, ein Zeitgenosse Friedrichs des Großen, geboren 15.8.1716 in Lehesten, besuchte das Gymnasium in Gotha und studierte dann in Jena und Göttingen Philologie. Als einer seiner Professoren in Göttingen vom Magistrat der Stadt Thorn um Benennung eines Professors für das Thorner Gymnasium - heute würde man sagen : eines Studienrates - gebeten wurde, empfahl dieser unseren Ahn Johann Albinus, der dann auch 1742 nach Thorn berufen wurde. Wir können heute nur staunend feststellen, wie international damals die geistige Welt Europas war, dass ein Thüringer Magister an einem Gymnasium in Polen - Thorn wurde erst einige Jahrzehnte später preußisch - ohne Schwierigkeiten und offenbar ohne Einfluß der polnischen Behörden Lehrer werden konnte. Auch die Reise dorthin ist nach den spärlichen Notizen unseres Urahns ohne Schwierigkeiten verlaufen, obwohl er zahlreiche Grenzen überfahren und viele Länder durchqueren musste.

Man stelle sich vor, welche Schwierigkeiten es heute bereiten würde, wenn ein deutscher Studienrat an irgendeinem osteuropäischen Gymnasium tätig sein wollte.

Mit der Übersiedlung unseres Urahns nach Thorn änderte sich auch die Schreibweise unseres Familiennamens, der bis dahin mit „ß" am Schluss geschrieben wurde, was im Polnischen zu einer anderen Aussprache geführt hätte.

Nach 19-jähriger Professorentätigkeit wurde unser Ahn sogar Rektor (gleich Direktor) des Gymnasiums in Thorn, wo sein Bild bis 1918 in der Aula hing, dann aber, weil er ein verhasster Deutscher war, im Keller verschwand (Zusatz von 2009: Das Portrait hängt jetzt im großen Saal des Thorner Rathauses; vgl. den Bericht im Rundbrief Nr.45 über seine feierliche „Wiederentdeckung" im Jahre 2003).

Seine zweite Ehe mit Susanna Liebelt verdient einen Exkurs auf deren Vorfahren, die beweisen, wie deutsch im 17. Jahrhundert die geistige und bürgerliche Oberschicht in Polen war. Ihr Vater Daniel Liebelt (1705-1759) war in Lublin als Sohn deutscher Eltern geboren, hatte in Wittenberg studiert und war dann zunächst Pfarrer in Piaski bei Lublin, seit 1743 Pfarrer in Thorn. Als ich 1941 vor dem Russlandfeldzug einige Zeit in Lublin war, habe ich mich in dem dortigen Staatsarchiv für die Liebelt's und das damalige Deutschtum in dieser Stadt interessiert. Lublin, das 1941 eine vollkommen polnische Stadt war, in der man von den Einwohnern auch nicht ein deutsches Wort hörte, muss im 17. Jahrhundert eine starke deutsche Bevölkerung gehabt haben. Dieses ergibt sich nicht nur aus den Ahnen der Liebelt's, die deutsche Kaufleute in Lublin waren, sondern auch aus der Bevölkerungsgeschichte von Lublin und Umgebung. Selbst auf dem Lande gab es bis an den Bug zahlreiche deutsche Dörfer. Offenbar hatte auch das Piaski, das jetzt immer noch Piaski-Lutherski (also lutherisches Piaski) hieß, obwohl es ein typisch polnisches Dorf mit ausschließlich katholischer Bevölkerung war, damals überwiegend deutsche Bewohner, da anderenfalls die Berufung unseres Ahns Liebelt dorthin als Pfarrer nicht zu erklären gewesen wäre. In Lublin befanden sich unter der Altstadt noch zahlreiche unterirdische Gänge, wohin sich die Bevölkerung in früheren Jahrhunderten bei Einbrüchen der Tartaren und Kosaken flüchtete. Auch dort fand man an den Wänden zahlreiche deutsche Inschriften aus damaliger Zeit. Der Pfarrer Liebelt war übrigens verheiratet mit einer geborenen von Lützow aus Mecklenburg. Über die Vorgeschichte dieser Ehe wissen wir leider wieder nichts. Da für damalige Verhältnisse die Ehe einer Adligen mit einem Pfarrer fast unmöglich war, musste dieser Ehe, wie man heute sagen würde, eine Romanze vorangegangen sein. Wo sich die beiden das erste Mal begegnet sind, wissen wir nicht, da ein Aufenthalt unseres Ahns in Mecklenburg nicht überliefert ist.

Als der Rektor Johann Albinus im Alter von 68 Jahren an Typhus starb, waren von seinen 10 Kindern aus den beiden Ehen noch 7 unversorgt. Zwei Söhne studierten, der eine Medizin , der andere Naturwissenschaften. Beide setzten das Studium auch fort. Woher die Mittel kamen, wissen wir nicht. Die finanzielle Lage der Witwe muss schlecht gewesen sein; denn die 4 jüngsten Söhne, darunter unser Ahn Nathanael, mussten die Schule verlassen. Die beiden jüngsten Brüder unseres Ahns wurden, wie schon vor ihnen 2 ältere Brüder, Kaufleute in Warschau. Als unbeteiligte Bürger wurden sie dort 1794 Opfer der Erstürmung von Warschau durch den russischen Feldmarschall Suwaroff. Einer der älteren Brüder - Gottfried - überlebte dieses blutige Ereignis in Warschau, wechselte aber den Beruf, wurde Landwirt und war vor unserem Ahn Nathanael der erste Besitzer von Waczmirs, allerdings nur als Pächter, wo er auch 1822 kinderlos gestorben ist.

Bevor wir uns dem Leben unseres Ahnen Nathanael zuwenden, wollen wir noch kurz seines älteren Bruders, des Professors Friedrich Kries in Gotha gedenken, der auch ein bedeutender Mann gewesen sein muss. Er verfasste mehrere Lehrbücher für Mathematik, Physik und Naturwissenschaften, die bis zu 8 Auflagen erzielten, und war Lehrer der Coburger Prinzen Ernst und Albert, von denen der Prinz Albert als Prinzgemahl der Königin Victoria von England in die Weltgeschichte eingegangnen ist. Der Professor Friedrich wurde wegen seiner wissenschaftlichen Leistungen Ehrendoktor der Universität Jena und Geheimer Hofrat. Er war der Begründer der bürgerlichen Linie unserer Familie, die aber inzwischen leider ausgestorben ist.

Unser Ahn N a t h a n a e l , der von seiner Mutter offenbar die Betriebsamkeit einer alten Kaufmannsfamilie geerbt hatte, kam nach dem Tode seines Vaters zu seinem Schwager Plehn in die landwirtschaftliche Lehre. Nach Abschluss dieser offenbar sehr erfolgreichen Lehrzeit lieh ihm sein Schwager 10.000 Thaler, damit unser Ahn die Domäne Osterwitt bei Neuenburg in Westpreußen pachten konnte. Die Pacht begann am 11.6.1800. Die Pachtdauer betrug 16 Jahre. Bereits einen Monat später, am 29.7.1800, heiratete unser Ahn J o s e p h i n e Matthias, Tochter eines Arztes in Danzig, der als erster die Pockenimpfung in Westpreußen eingeführt hatte. Die Familie Matthias stammte übrigens aus Ungarn, das sie aus religiösen Gründen verlassen hatte. Bereits am Ende des ersten Pachtjahres hatte unser Ahn wegen des Zusammentreffens verschiedener unglücklicher Umstände ein Defizit von 20.000 Thalern. Er ließ sich aber dadurch nicht entmutigen, und trotz der 6 Jahre später beginnenden napoleonischen Kriege gelang es seiner Tüchtigkeit, bis zum Ablauf der ersten Pachtperiode das Minus der frühen Jahre abzudecken und außer dem überzähligen Inventar die sämtlichen Vorräte und Bestände, insgesamt ein Kapital von rund 10.000 Thalern, zu erwerben.

Von 1806 bis 1812 hatte unser Ahn - wie ganz Preußen - schwer unter den napoleonischen Kriegen zu leiden. Hierbei kam er nicht nur persönlich mehrfach in Lebensgefahr, sondern auch wirtschaftlich an den Rand des Ruins. Aber auch unter diesen bedrängten Verhältnissen ließ unser Ahn es sich nicht nehmen, ehrenamtlich im öffentlichen Interesse tätig zu sein und u.a. 1806 in der von den preußischen Behörden eingesetzten Ver-pflegungskommission für die Versorgung der französischen und polnischen Truppen mitzuarbeiten.

Nachdem durch den Frieden von Tilsit 1807 für einige Jahre Ruhe eingetreten war, konnte unser Ahn im Jahre 1809 ein neues Wohnhaus in Osterwitt bauen. Als Napoleon 1812 gegen Russland zog, kamen wieder unruhige Jahre mit vielen Truppendurchzügen und dadurch bedingten wirtschaftlichen Lasten. An den Freiheitskriegen nahm unser Ahn persönlich nicht teil, da er nach damaligen Begriffen schon zu alt sowie als Pächter einer großen Domäne und als Amtsvorsteher unentbehrlich war.

Die Jahre nach Beendigung der Freiheitskriege müssen für unseren Ahn wirtschaftlich günstig gewesen sein, denn er konnte nun daran denken, in rascher Folge Grundbesitz zu erwerben. Diese Erfolge sind unserem Ahn aber nicht in den Schoß gefallen. Die Jahre nach 1815 waren zwar friedlich, aber für die Landwirtschaft durchaus nicht einfach. Leider erfahren wir über diese wirtschaftlichen Probleme aus den Erinnerungen unseres Ahns und seiner Ehefrau Josephine nichts, die sonst als interessante Zeitbilder und als Spiegelbild zweier bedeutender Menschen auch heute noch sehr lesenswert sind. Nur aus dem erhaltenen Text von Aufführungen zur Silberhochzeit im Jahre 1825 können wir entnehmen, dass die Getreidepreise nach den Freiheitskriegen stark fielen, weil die Engländer nicht mehr das Getreide aus Ostdeutschland kauften. Unser Ahn führte dann aber spanische Schafe ein; offenbar war mit Wolle damals mehr Geld zu verdienen.

Im Jahre 1820 erwarb unser Ahn Kulmagga, das später ein Vorwerk von Kriesfelde war, 1828 Smarzewo (später Kriesfelde) für 6.760 Thaler (!), 1829 Czerwinsk (später ebenfalls ein Vorwerk von Kriesfelde), 1830 Groß- und Klein-Waczmirs. Im Jahre 1836 pachtete er für seinen Sohn Adolf die Domäne Roggenhausen. Schließlich kaufte unser Ahn 1841 das Rittergut Slawkowo (später Friedenau) bei Thorn für 62.000 Thaler.

Der Höhepunkt seines erfolgreichen Lebens war aber das Jahr 1840. Im Frühjahr dieses Jahres war unser Ahn zum Abgeordneten des Provinziallandtages der Provinz Preußen - die Teilung in Ost- und Westpreußen erfolgte erst 1877 - gewählt worden. Er musste deshalb an der Tagung des im September 1840 nach Königsberg einberufenen Landtages und der bei dieser Gelegenheit stattfindenden Huldigung vor dem König Friedrich Wilhelm IV , der in diesem Jahr den Thron bestiegen hatte, teilnehmen.

Am Huldigungstage, dem 10.9.1840, wurde unserm Ahn der erbliche Adel verliehen. Das ihm hierbei verliehene Wappen hatte sich unser Ahn selbst erbeten als Zeichen für seine erfolgreiche Tätigkeit in der Landwirtschaft. Wir können heute noch stolz darauf sein, dass unser Ahn nicht wegen irgendwelcher Beziehungen zum Hofe, sondern ausschließlich wegen seiner persönlichen Verdienste als hervorragender Landwirt und wegen seiner Tätigkeit in zahlreichen Ehrenämtern geadelt worden ist.

Am 29. Juli 1850 konnten unser Ahn und seine Ehefrau die Goldene Hochzeit feiern.

Von seinen 13 Kindern lebten damals noch 6 Söhne und 5 Töchter. Aus den Ehen der Kinder und Enkel waren zu diesem Zeitpunkt 43 Enkel und 5 Urenkel hervorgegangen.

Durch die 6 Söhne unseres Ahns wurden die verschiedenen Linien unserer Familie begründet:

1. Moritz (1802-1889) Linie Smarzewo-Kriesfelde

2. Theodor (1805-1868) Linie Waczmirs

3. Adolf (1808-1889) Linie Roggenhausen

4. Conrad (1814-1886) Linie Friedenau

5. Gustav (1815-1858) Linie Breslau-Schönbruck

6. Friedrich (1816-1890) Linie Osterwitt